Leichtbau in der Luftfahrt neu definiert: Wie das Projekt Odonata den menschlich angetriebenen Flug vorantreibt
12. Mai 2026 | Blog
Ein Studententeam stellt sich einer jahrzehntealten Herausforderung in der Luftfahrt: Sie wollen den Weltrekord im Fliegen mit menschlichem Antrieb brechen. Mit einem Flugzeug, das weniger als 30 Kilogramm wiegt und eine Spannweite von über 34 Metern hat, zeigt das Projekt Odonata, wie fortschrittliche Carbonfasermaterialien und interdisziplinäre Technik die Grenzen der leichten, effizienten und nachhaltigen Luftfahrt neu definieren können.
Inspiriert von der griechischen Sage von Dädalus und Ikarus initiierte das Massachusetts Institute of Technology (MIT) 1986 das Daedalus-Projekt. Zwei Jahre später, im Jahr 1988, flog das Team erfolgreich ein von Menschen angetriebenes Flugzeug von Kreta nach Santorin und legte dabei eine Rekordstrecke von 115 Kilometern über das Mittelmeer zurück. Dieser oft als "größter Flug der Menschheit" bezeichnete Rekord wurde mit der Daedalus 88 erzielt, einem 31 Kilogramm schweren, von Menschenhand angetriebenen Flugzeug mit einem Rahmen aus Carbonfaserrohren. Bis zum heutigen Tag hat kein Team diesen Rekord übertroffen.
Fast vier Jahrzehnte später hat sich eine neue Generation von Ingenieuren dieser Herausforderung gestellt und ein Flugzeug gebaut, das mindestens 117 Kilometer weit fliegen soll. Ein Team von Studenten der Technischen Universität Dresden hat das Projekt Odonata ins Leben gerufen, um den seit langem bestehenden Weltrekord mit einem eigenen, von Menschen angetriebenen Flugzeug zu übertreffen. Im Mittelpunkt steht dabei eine zentrale Frage: Wie weit kann der Leichtbau die Grenzen des Machbaren verschieben? Carbonfasern spielen eine Schlüsselrolle bei der Ermöglichung von Hochleistungsstrukturen, und ihre Anwendung im extremen Leichtbau eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der Luftfahrt.
Ein Team von rund 45 Studierenden treibt das Projekt voran. Das Team, das Fachwissen aus dem Ingenieurwesen und der Luftfahrt vereint, arbeitet in einem stark interdisziplinären Umfeld. Nach einer anfänglichen Entwurfsphase von einem Jahr gingen die Studenten in die praktische Entwicklung über und bauten und verfeinerten das Flugzeug durch kontinuierliche Tests und Optimierungen. Johannes Stolz, der das Projekt im Namen von Teijin Carbon unterstützte, betonte die Bedeutung des interdisziplinären Ansatzes des Teams: “Ich war beeindruckt von der Dynamik des Teams und der Zusammenarbeit zwischen Flugphysik, Strukturanalyse, Antriebstechnik und Faserverbundtechnologie. Der präzise Einsatz von Carbonfasern für eine gewichtsoptimierte Struktur war entscheidend.”
Nach zwei Jahren Forschung und Entwicklung stellte das Team sein erstes Flugzeug mit dem Namen "Libelle" offiziell vor. Der erste Testflug war für den 29. Januar 2026 auf dem Flugplatz Rothenburg geplant, musste aber aufgrund der Wetterbedingungen verschoben werden. Der Rekordversuch ist für später in diesem Jahr geplant, mit zusätzlicher Teilnahme an Wettbewerben in Japan und dem Vereinigten Königreich. Was als studentisches Ingenieursprojekt begann, findet nun breite öffentliche Beachtung: Der MDR berichtete kürzlich über Odonatas ehrgeizigen Versuch, einen neuen Weltrekord in der muskelkraftgetriebenen Luftfahrt aufzustellen.
Das Flugzeug wird ausschließlich durch menschliche Muskelkraft angetrieben, benötigt keinen Motor und keinen Treibstoff und erzeugt keine Emissionen. Das Design konzentriert sich auf maximale aerodynamische Effizienz, extreme Leichtbauweise und hohe strukturelle Leistung. Auf diese Weise stellt das Projekt Odonata einen zukunftsweisenden Ansatz im Ingenieurwesen dar, der Materialinnovation, Präzision und Effizienz miteinander verbindet. Das Flugzeug hat eine Spannweite von 34,5 Metern und ein Leergewicht von weniger als 30 Kilogramm, was zu einer maximalen Startmasse von unter 110 Kilogramm führt. Die erforderliche Flugleistung ist auf unter 200 Watt ausgelegt, und die Flügelfläche beträgt 29,1 Quadratmeter. Die Struktur des Flugzeugs wird aus CFK-Bauteilen, Mylar-Folie und Styropor hergestellt. Teijin Carbon unterstützte das Projekt mit der Lieferung von Prepregs und Trockenfasermaterialien und trug so zur Optimierung des Gewichts-Leistungs-Verhältnisses und zur Erreichung einer hohen strukturellen Effizienz bei. Das Team testet nun sein erstes Flugzeug und sammelt mit jedem Flug wertvolle Erfahrungen. In den kommenden Wochen wird ein zweites und noch besseres Flugzeug fertiggestellt.
Mit jeder Überarbeitung kommt das Team seinem Ziel, den Weltrekord zu brechen, näher. Projekte wie Odonata zeigen, wie fortschrittliche Materialien, interdisziplinäre Zusammenarbeit und innovative Technik die Grenzen der Luftfahrt verschieben können. Diese Projekte bieten einen Einblick in die Zukunft des leichten, effizienten und nachhaltigen Fliegens, und wir sind stolz darauf, ein Teil davon zu sein.